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Was ich mir versprochen hatte. Und was ich stattdessen gelernt habe.

  • 23. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Es gibt Ideen, die kommen nicht aus dem Businessplan. Sie kommen aus dem Bauch. Aus Jahren des Hinschauens, wenn andere wegsehen. Aus Gesprächen, die nachts stattfinden, in Fluren nach Meetings, in verschlüsselten Nachrichten, die mit den Worten beginnen: „Ich kann das mit niemandem teilen."


Herzlichtführung e.V. ist aus genau diesen Momenten entstanden.


Toxische Unternehmenskultur: Der unsichtbare Killer für Erfolg und Menschlichkeit
Was ich mir versprochen hatte. Und was ich stattdessen gelernt habe.

Ich hatte mir vorgestellt, dass Menschen kommen, wenn sie wissen, dass es einen sicheren Ort gibt. Dass Unternehmen aufatmen, wenn jemand das ausspricht, was intern längst bekannt, aber nie benennbar war. Dass das Thema — narzisstische Dynamiken, toxische Führungsstrukturen, psychologische Gewalt in Organisationen — endlich den Raum bekommt, den es braucht.

Was ich unterschätzt hatte, war das Ausmaß des Schweigens.



Die Scham sitzt tiefer als erwartet

Betroffene schweigen nicht, weil sie nichts zu sagen hätten. Sie schweigen, weil sie gelernt haben, dass Sprechen gefährlich ist. Weil sie in dem System, das sie verletzt hat, gleichzeitig funktionieren mussten. Weil der Satz „Das bilde ich mir ein" so oft wiederholt wurde, bis er sich anfühlte wie eine eigene Überzeugung.


Scham in toxischen Führungskontexten ist keine Reaktion auf etwas Falsches, das man getan hat. Sie ist das Produkt eines Systems, das jemanden systematisch klein gemacht hat — und das so lange, bis die betroffene Person beginnt, die Deutungshoheit des Systems zu übernehmen. Das ist kein psychologisches Versagen. Das ist ein klassischer Wirkungsmechanismus von Machtmissbrauch.


Und trotzdem: Der erste Satz in fast jedem Gespräch ist „Ich weiß, das klingt vielleicht übertrieben."



Unternehmen schauen weg — und das hat System

Die Widerstände auf organisationaler Seite sind anderer Natur, aber genauso tief. Wenn ich mit Entscheidungsträgern spreche — mit HR-Verantwortlichen, mit Vorständen, mit Investoren — dann ist die häufigste Reaktion auf das Thema keine Ablehnung. Es ist eine sehr höfliche, sehr kompetente Form des Umlenkens.


„Wir haben gerade andere Prioritäten."

„Das ist ein Einzelfall."

„Das kennen wir bei uns so nicht."

„Wir arbeiten bereits an der Unternehmenskultur."


Was dahinter steckt, ist selten böse Absicht. Es ist strukturelle Blindheit — kombiniert mit dem berechtigten Kalkül, dass das Benennen von toxischen Dynamiken kurzfristig teurer ist als das Schweigen. Und dem echten, menschlichen Impuls, nicht in Konflikt mit jemandem zu geraten, der Macht hat.


Bemerkenswert dabei: Im Einzelgespräch, abseits von Meetingräumen und offiziellen Positionen, ist das Thema oft glasklar. Dann wird gesprochen — offen, präzise, manchmal erschreckend detailliert. Die Wahrheit ist längst bekannt. Sie wird nur nicht laut gesagt.


Narzisstische Führungspersönlichkeiten halten sich nicht zufällig in Organisationen. Sie sind gut darin, sich unverzichtbar zu machen. Ergebnisse zu liefern — zumindest auf dem Papier. Loyalitäten zu schaffen. Und denjenigen, die aufbegehren, das Gefühl zu geben, das Problem zu sein.


Das macht das Thema für Unternehmen unangenehm. Es stellt die Frage, warum man es so lange hat laufen lassen. Und das ist eine Frage, die sehr selten jemand freiwillig beantwortet.



Was ein Verein leisten kann — und was nicht

Herzlichtführung e.V. ist kein Rettungsring. Wir sind kein Therapeutennetzwerk, auch wenn wir mit solchen arbeiten. Wir sind auch keine Anwaltskanzlei, auch wenn wir wissen, wann es an der Zeit ist, eine aufzusuchen.


Was wir sind: ein Ort, an dem das Schweigen aufhören darf.

Ein Ort, an dem Frauen — und zunehmend auch Männer — sich nicht erklären müssen, bevor sie sprechen. An dem das Erlebte einen Namen bekommt. An dem aus Einzelfällen ein Muster wird, das nicht mehr wegzureden ist.


Ich hatte gehofft, dass das leichter geht. Dass der Bedarf, der im Verborgenen so enorm sichtbar ist, sich einfach in Anmeldungen, Kooperationen, institutionelles Interesse übersetzen würde. Stattdessen habe ich gelernt, wie viel Überzeugungsarbeit es braucht, bevor jemand zugibt: Ja, das gibt es. Auch bei uns.



Warum ich es trotzdem tue

Weil die Alternative wäre, es nicht zu tun. Und das ist keine Option.

Nicht nach den Gesprächen, die ich geführt habe. Nicht nach dem, was mir Menschen erzählt haben — nachts, in Fluren, in verschlüsselten Nachrichten. Nicht nach allem, was ich selbst in Organisationen erlebt habe.


Das Schweigen ist nicht Neutralität. Es ist Parteinahme — für die Seite, die ohnehin schon die Macht hat.


Herzlichtführung e.V. hat sich entschieden, die andere Seite zu stärken. Und dafür nehme ich die Hürden, die Widerstände und das Wegschauen in Kauf — solange ich weiß, dass am Ende des Schweigens jemand wartet, der gehört werden will.





Wenn dieser Text etwas ausgelöst hat, ist das kein Zufall.

Ich arbeite mit Führungskräften und Unternehmern, die aufgehört haben, sich mit halbgaren Antworten zufriedenzugeben — und anfangen wollen, wirklich zu führen.


Schreib mir. Oder ruf an.


+49 157 58 267 427



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