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#9 – Wenn der Eigentümer das Problem ist — toxisches Verhalten an der Unternehmensspitze

  • 5. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Apr.

Serie: Toxisches Verhalten am Arbeitsplatz — Teil 9

Es gibt eine besondere Form der Ohnmacht.

Die, die entsteht, wenn das toxische Verhalten nicht vom Kollegen kommt, nicht vom direkten Vorgesetzten — sondern vom Eigentümer selbst.


Derjenige, dem das Unternehmen gehört. Dem niemand wirklich etwas sagen kann. Um den sich ein Netz aus Trittbrettfahrern gebildet hat, die sein Verhalten spiegeln, stützen und nach unten weitertragen.


Das ist keine Seltenheit. Das ist ein verbreitetes Muster — und eines der gefährlichsten, weil es strukturell am schwersten angreifbar ist.


#9 – Toxisches Verhalten in unterschiedlichen Positionen – Unternehmenseigentümer  - Artikelserie "Toxisches Verhalten am Arbeitsplatz"
#9 – Wenn der Eigentümer das Problem ist — toxisches Verhalten an der Unternehmensspitze

Warum Eigentümer besonders riskante Träger toxischer Muster sind

Die Verhaltensweisen sind dieselben wie auf anderen Hierarchieebenen. Autoritärer Führungsstil, Mikromanagement, Kommunikationsentzug, Herabwürdigung, fehlende Verantwortungsübernahme, Missachtung ethischer Standards.


Der Unterschied: Der Wirkungskreis ist größer. Das Agieren ist teilweise öffentlich. Und die Kontrollmechanismen fehlen fast vollständig.


Wer ein Unternehmen besitzt, bewegt sich in einem System, das ihn selten korrigiert — und häufig bestätigt. Sein Verhalten hat in der Vergangenheit funktioniert. Es hat ihn nach oben gebracht. Es hat Wirtschaftsskandale produziert, die wir alle kennen, aber deren innere Dynamik kaum jemand öffentlich benennt.


Bis heute.



Was in Unternehmen unter toxischen Eigentümern passiert

Das Muster ist vorhersehbar — sobald man es einmal gesehen hat.

Das direkte Umfeld passt sich an. Führungskräfte übernehmen das toxische Verhalten nach unten — und machen sich gegenüber dem Eigentümer gleichzeitig klein. Ein gesponnenes Netz gleichgearteter Vertreter, das das System stabilisiert und jeden Veränderungsimpuls absorbiert.


Was bei den Mitarbeitern ankommt:

Vergeltungsangst — wer Missstände benennt, wird zum Ziel. Das Ergebnis: kollektives Schweigen, eingefrorene Initiative, eine Organisation, die sich selbst lähmt.

Entwicklungsstillstand — toxische Eigentümer blockieren das Wachstum anderer, weil Kompetenz als Bedrohung wahrgenommen wird.

Feindseliges Arbeitsklima — mit direkten Folgen für Krankenstand, Fluktuation und mentale Gesundheit.


Und langfristig: Reputationsschäden, Talentabwanderung, finanzielle Risiken — Kosten, die in keiner Eigentümer-Rechnung auftauchen, bis es zu spät ist.



Was hinter dem Verhalten steckt

Toxisches Verhalten beim Eigentümer entsteht selten aus einer einzigen Ursache.

Persönlichkeitsstruktur und frühe Prägungen spielen eine Rolle. Ebenso Druck — finanzieller, zeitlicher, wettbewerblicher. Kulturelle und organisatorische Einflüsse. Und der entscheidende Faktor: fehlende externe Kontrolle.

Wer nie korrigiert wird, verliert die Fähigkeit zur Selbstkorrektur.

Das erklärt das Verhalten. Es rechtfertigt es nicht.



Was du als Betroffener tun kannst — und was nicht

Ich sage das direkt: Den Eigentümer zu verändern ist nicht dein Job. Und in den meisten Fällen ist es schlicht nicht möglich.

Was du tun kannst, ist, deine eigene Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.

Das bedeutet zunächst: die Situation klar benennen — für dich selbst. Ohne Schönreden, ohne das ewige Abwägen, ob du vielleicht übertreibst.

Dann: Ressourcen prüfen. HR-Abteilung, externe Beratung, rechtliche Beratung, Gewerkschaften — mit dem Wissen, dass in einem toxisch geführten Unternehmen nicht jede dieser Stellen neutral ist. Wer sich an interne Strukturen wendet, muss wissen, wen diese Strukturen schützen.

Und manchmal ist die klarste Entscheidung der Wechsel. Nicht als Niederlage — als Konsequenz.



Was Organisationen tun können — und müssen

Prävention beginnt, bevor das erste Problem eskaliert.

Unternehmenskulturen, die auf Respekt, Transparenz und echter Feedback-Kultur basieren, sind kein Wohlfühlprogramm. Sie sind strukturelle Schutzmaßnahmen.

Klare Verhaltenskodizes, funktionierende Beschwerdesysteme, Führungskräfteentwicklung mit echtem Substanz — und der Mut, Konsequenzen zu ziehen, auch wenn der Verursacher oben steht.

Wer toxisches Verhalten an der Spitze duldet, macht es zur Unternehmenskultur.

Das ist keine Übertreibung. Das ist die Realität, die ich in meiner Arbeit täglich sehe.



Was diese Situation dir trotzdem geben kann

Es klingt widersprüchlich — aber ich sage es trotzdem:

Wer gelernt hat, mit toxischen Machtstrukturen umzugehen, ohne sich selbst zu verlieren, hat etwas entwickelt, das niemand mehr wegnehmen kann. Klarheit über die eigenen Grenzen. Ein Selbstbewusstsein, das nicht von Bestätigung von oben abhängt. Die Fähigkeit, Systeme zu durchschauen — bevor man sich in ihnen verliert.

Das ist kein Trost. Es ist eine Tatsache.



Nächster Teil der Serie: In Teil 10 geht es um toxisches Verhalten in Aufsichtsräten und Beiräten — die unsichtbare Machtebene, die kaum jemand benennt.



Wenn dieser Text etwas ausgelöst hat, ist das kein Zufall.

Ich arbeite mit Führungskräften und Unternehmern, die aufgehört haben, sich mit halbgaren Antworten zufriedenzugeben — und anfangen wollen, wirklich zu führen.


Schreib mir. Oder ruf an.


+49 157 58 267 427



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